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Kolonialismus

Kolonialismus, Rassismus
und die Folgen...

Deutsch-Südwestafrika / Namibia und darüber hinaus


Letzter Stand: 1.8.2020


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Jahrestagung 2018 zum Thema
Schwierige Erinnerung: Frühe Völkermorde des 20. Jahrhunderts an, vor allem bezüglich der dort thematisierten Genozide an den Herero in Deutsch-Südwestafrika und den Armeniern im Osmanischen Reich.

Inwiefern der Armenier-Genozid in die Kolonialgeschichte einzuordnen ist, wenn man das Osmanische Reich auch noch in seiner Endphase als imperiale Macht begreift ähnlich wie Russland, oder ob er stärker mit dem 1. Weltkrieg in Zusammenhang zu sehen ist oder schon einen Auftakt zum Völkermord aus ethnisch-nationalistischen Motiven darstellt, kann man diskutieren.

Im Folgenden soll hier zunächst das Thema Deutsch-Südwestafrika im Fokus stehen und das entsprechende Teil-Thema unserer Jahrestagung fortsetzen. Im Anschluss daran geht um das Erbe des Kolonialismus: Rassismus u.a.

 

Infos und Links:

1. Rund um Deutsch-Südwestafrika / Hereroaufstand

Auf die zu diesem Thema guten Einträge bei Wikipedia sei hier vorab pauschal verwiesen.

Bericht von unserer Jahrestagung 2018: Schwierige Erinnerung: Frühe Völkermorde des 20. Jahrhunderts

  • Eine kontextuelle Darstellung zur Entstehung des “Schutzgebietes” Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, des Herero-Aufstandes und seiner Niederschlagung mit verschiedenen Quellen und weiterführenden Literaturhinweisen und Links gibt es auf Geschichtslehrerforum. Die klimatischen Bedingungen, wichtige Textquellen zum Geschehen und Zeitzeugnisse sowie aus der Debatte im Reichstag werden dort präsentiert.
    Ein didaktisches Konzept mit einigen Quellen und Bezug auf diese Seite des Geschichtslehrerforums erschien in unserer Verbandszeitschrift Geschichte für heute 2/2019:
    Wolfgang Geiger: “Das Strafgericht hatte sein Ende gefunden.” Die Niederschlagung des Herero-Aufstandes in zeitgenössischen Darstellungen und als Thema im Unterricht, S. 27-32.
    Daneben sei dort auch auf die Seite zum Völkermord an den Armeniern verwiesen.
     
  • Die “Lernplattform für offenen Geschichtsunterricht” SEGU bietet  ein didaktisches Angebot von drei Quellen zum Völkermord an den Herero
     
  • Krieg gegen die Herero hat das Bundesarchiv in einer Galerie eingestellt.
     
  • Die Geschichte der deutschen Kolonie im Überblick bietet das Lebendige Museum Onlne LeMO des Deutschen Historischen Museums.
     
  • Wie die Kolonialgeschichte verherrlicht wurde, damals und in der Nostalgie später, darüber gibt es zwei informationsreiche Artikel beim Tagesspiegel: Deutsch-Südwestafrika als Heimatidylle von Rolf Brockschmidt  (9.7.2019) und Der lange Schatten der “Tropensehnsucht” von Dirk van Lank (5.1.2029)
     
  • Den Eintrag zu Deutsch-Südwestafrika im Deutschen Koloniallexikon 1920 - also bereits nach der Verlust aller Kolonien im 1. Weltkrieg - gibt es digital in der Sammlung der Goethe-Universität Frankfurt.
     
  • Die Bundeszentrale für politische Bildung hat 100 Jahre nach dem Herero-Aufstand 1904 eine analytische Seite mit weiterführenden Infos zur Kolonialgeschichte auf ihrer Website aufgenommen. Sehr interessant und absolut akutalistätsbezogen ist darunter das Dossier Afrikanische Diaspora in Deutschland. Katharina Oguntoye berichtet darauf über die Afrikanische Zuwanderung nach Deutschland zwischen 1884 und 1945. Über die Darstellung schwarzer Migeranten im Kino der Weimarer Republik schreibt Tobias Nagl: Fantasien in Schwarzweiß  - Schwarze Deutsche, deutsches Kino. Und Susan Arndt analysiert Kolonialismus, Rassismus und Sprache. - Dies sind nur einige des Dossiers. Ferner sei auf das Afrika-Dossier hingewiesen.
     
  • Eine Übersicht zur Geschichte des heutigen Namibia gibt es auif Zeit Online.

Auseinandersetzung mit der deutschen Kolonialgeschichte und dem Völkermordthema in Namibia / ehem. Südwestafrika:

  • Zum Völkermord-Thema gibt es weitere Quellen und Infos aus der damaligen und späteren Zeit sowie zur Haltung der Bundesrepublik bis heute bei genocide-alter.
     
  • Deutschlands fast vergessene Kolonialgeschichte bei Deutschlandfunk von Michael Hollenbach (5.2.2020) mit Links zu weiteren Seiten, so zu Die Politik schweigt - das ist Verdrängung! von Jürgen Zimmerer (24.1.2020)
     
  • APuZ Aus Politik und Geschichte hat am 30.9.2019 eine Ausgabe Deutsche Kolonialgeschichte mit Beitrögen namhafter Historiker*innen herausgebracht.
     
  • Die tageszeitung hat im Laufe der Jahre viele Artikel zum Thema Folgen des Kolonialismus, Neokolonialismus, Rassismus publiziert, hier seien einige genannt: “Die Gewalt wird nicht thematisiert.” Viele deutsche Schulbücher beschönigen auch heute noch die Kolonialzeit..., Interview mit Josephine Apraku von Simon Sales Prado, taz, 15.7.2020; Kirsten Kappert-Gonther / Ottmar von Holz: Ein stark verdrängtes Kapitel, taz, 7.2.2019, Florian Brand: “Sklaven kamen als Arbeiter”. Ein Schulbuch aus Texas bezeichnete Sklaven als emigrierte Arbeiter..., taz, 6.10.2015; Pippi und der Kolonialismus, Interview mit Sharon Dodua Otoo von Jasmin Kalarical, taz, 20.2.2013.
     
  • Die Auseinandersetzung um die Völkermord-Frage stellt unter anderem ein langer Artikel im Spiegel dar, mit einer gewissen Sympathie für die Ablehnung der Völkermordthese unter Berufung auf den Deutsch-Namibianer Hinrich Schneider-Waterberg: Gab es wirklich einen Völkermord an den Herero? von Bartholomäus Grill (30.6.2016).
     
  • Einen ebenfalls langen und instruktiven Beitrag in entgegengesetzter Perspektive mit Darstellung der Ereignisse sowie ihrer Folgen und Nachwirkungen bis heute gibt es bei der Gesellschaft für bedrohte Völker: 100 Jahre Völkermord an Herero und Nama. (24.6.2005).
     
  • Im Zusammenhang mit der Resolution des Bundestages zurm Völkermord an den Armeniern am 2.6.2016 schrieb der damalige Bundestagspräsident Norbert Lammert in einem Artikel unter dem Titel Deutsche ohne Gnade in der Zeit am 9.7.2016, “wer in der Bundesrepublik vom Armenier-Genozid spricht, darf vom deutschen Völkermord an den Herero und Nama nicht schweigen”. 

 

Multiperspektivische Quellen zur Geschichte Deutsch-Südwestafrikas und zu den Verbrechen an der indigenen Bevölkerung:

Blue BookEin außergewöhnliches und wertvolles Dokument ist das Blue Book, eine vom südafrikanischen Gouverneur in Windhuk für das britische Parlament zusammengestellte Rekonstruktion der verschiedenen Ereignisse - zahlreiche Gewalttaten und Verbrechen, nicht nur bei der Niederschlagung des Herero-Aufstandes - im historischen Kontext der Geschichte Deutsch-Südwestafrikas.

Die südafrikanische Verwaltung Namibias nach dem 1. Weltkrieg war keineswegs eine Geschichte der Befreiung von der Kolonialherrschaft, sondern unterwarf die namibische Bevölkerung der Vorherrschaft Südafrikas, dies muss hierzu betont werden.

Und ebenso, dass die Veröffentlichung auf Veranlassung der britischen Regierung im Kontext des 1. Weltkrieges die besondere Grausamkeit der deutschen Kolonialverwaltung (gegenüber der britischen) darstellen sollte. Dies diskreditiert jedoch nicht per die darin gesammelten Zeugenaussagen und das Buch wurde deswegen in eine aktuelle Sammlung zur afrikanischen Geschichte aufgenommen und kommentiert aus heutigem Wissensstand. Eine kritische Bewertung, die einige Mängel aufzeugt, aber dennoch zu einem grundlegend positiven Urteil kommt, gibt es auf Sehepunkte. Was dann dort allerdings auch nicht stimmt, ist der Hinweis auf die Veröffentlichung “nach Kriegsende” 1918, vielmehr wurde es ausweislich des Buchtitels im August 1918 dem britischen Parlament vorgelegt.

Denn dieses Buch ist deswegen außerordentlich bedeutend, weil darin bereits Dokumente von Seiten der Kolonialmacht, aber auch, und dies ist das Besondere, viele Zeugenaussagen überlebender Herero und anderer Zeitzeugen dokumentiert wurden.

Ein Übersetzung von Auszügen einiger Zeugenaussagen von Hereros aus dem Blue Book gibt es auf der erwähnten Seite des Geschichtslehrerforums.

 

Titel der Ausgabe 1918, siehe unten.

Union of South Africa
Report on the Natives of South-West Africa and their Treatment by Germany. Prepared in the Administrator’s Office, Windhuk, South-West Africa, January 1918.
Presented in both Houses of Parliament by Command of His Majesty, August 1918. London: Published by His Majesty’s Stationary Office.

Originalausgabe, digitalisiert, Univ.of Florida Digital Collections, online in einem Viewer gut zu lesen.

Neu herausgegeben, kommentiert und mit einer langen Einleitung, als erster Band der Reihe Sources for African History:

Words Cannot Be Found. German Colonial Rule in Namibia: An Annotated Reprint of the 1918 Blue Book, by Jeremy Silvester and Jan-Bart Gewald. Leiden/Boston (Brill) 2003. >pdf-Download

* * *

Afrikanische Zeugenaussagen zur Niederschlagung des Herero-Aufstandes gibt es neben anderen auch im 1. Kapitel der Sammlung von Samuel Totten / William S. Parsons / Israel W. Charny: Century of Genocide. Critical Essays and Eyewitnesses Accounts, Second Edition, New York / London (Routledge) 2005, Ch. 1: Genocide of the Hereros, S. 14-51. Das Buch ist >digital online auch auf Viewer gut zu lesen.

 

 

2. Kolonialismus / Afrika / Rassismus / Erinnerungskultur

Schulbuchanalyse:

Das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung hat sich schon vor einiger Zeit mit dem Thema Kolonialismus und Erinnerungskultur befasst, siehe die Webseiten:

  • Die Seite Europa als koloniale Erinnerungsgemeinschaft unter der Leitung von Susanne Grindel.
     
  • Afrikawissen. Diskurse und Praktiken der Schulbuchentwicklung in Deutschland und England 1945-1995, unter der Leitung von Simone Lässig / Robert Maier

Einzelne Veröffentlichungen:

  • Kontrapunktisches Lesen von Differenz und Hybridität. - Eine  Schulbuchforschung zu Imperialismus, Widerstand und Dekolonialisierung von Nadine Gatzweiler, Eckert. Beiträge 2015/1
     
  • Nur als Print liegt vor: Internationale Schulbuchforchung, 30. Jg. 2008, Heft 3: Koloniale Vergangenheit in europäischen Schulbüchern / Colonial Pasts in European Textbooks, herausgeg. von Susanne Grindel
  • Dekonstruktion von Rassismus in Schulbüchern: “Verbesserte” Schulbuchinhalte reichen nicht aus von Jule Bönkost, Eckert Dossiers 1 (2020).
  • Postcolonial Memory Politics in Educational Media, herausgeg. von Eckart Fuchs und Marcus Otto, The Journal of Educational Media, Memory and Society (JEMMS ), Special Issue  1/2013.

 

Afrikanische Stimmen gestern und heute:

  • Eine Ausgabe der Zeitschrift Hinterland, herausgegeben vom Deutschen Flüchtlingsrat in München, thematisiert in diesseits von afrika die koloniale Vergangenheit, (post-)koloniale Verhältnisse, Geschichte der Panafrikanischen Bewegung, die deutsch-afrikanischen Beziehungen, Rassismus und Diskriminierung, mit zahlreichen afrikanischen Autorinnen und Autoren.
     
  • Hingewiesen sei hier auch auf eine Doktorarbeit zu literarischen Werken deutsch-afrikanischer Autoren über ihre Geschichte und Identität:
    Stefanie Maria Schneider: Gegen-Stimmen/Gegen-Blicke: Zeitgenössische literarische (De-)Konstruktionen deutsch-afrikanischer Identitäten. Diss. Universität Leipzig / Universiteit Stellenbosch University 2014. >pdf-Download
    Trotz des akademischen Anspruchs ist die Arbeit allgemein verständlich geschrieben und gut lesbar. Sie enthält auch zahlreiche Gedichte der besprochenen Autoren.

 

 

3. Literatur zum Thema:

Gerhard Pool: Samuel Maharero, Windhoek (Garnsberg / MacMillan), 1991.

Gesine Krüger: Kriegsbewältigung und Geschichtsbewusstsein. Realität, Deutung  und Verarbeitung des deutschen Kolonialkriegs in Namibia 1904 bis 1907,  Göttingen (V & R), 1999. Online bei Digi20.

Jürgen Zimmerer: Deutsche Herrschaft über Afrikaner. Staatlicher Machtanspruch und Wirklichkeit im kolonialen Namibia, Münster (LIT), 2004.

Jürgen Zimmerer / Joachim Zeller: Völkermord in Deutsch-Südwestafrika. Der Kolonialkrieg (1904-1908) in Namibia und seine Folgen, Berlin (Chr. Links), 2003; Lizenzausg. BpB 2016.

Henning Melber (Hg.): Genozid und Gedenken. Namibisch-deutsche Geschichte und Gegenwart, Frankfurt/M. (Brandes & Apsel), 2005.

Reinhart Kößler / Henning Melber: Völkermord - und was dann? Die Politik deutsch-namibischer Vergangenheitsbewältigung. Vorwort von Heidemarie Wieczorek-Zeul, Frankfurt/M. (Brandes & Apesel), 2017.

 

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