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Jahrestagung 2019

Verband Hessischer Geschichtslehrerinnen und -lehrer VHGLL

AddF

Frauen machen Geschichte.
Politisches Engagement für Demokratie
im 19. und 20. Jh.

Jahrestagung des VHGLL im
Archiv der deutschen Frauenbewegung
in Kassel

11.5.2019, 10-15 h

Bericht

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Vor Veranstaltungsbeginn... Im Vortragsraum mit Archivalien

>Archiv der deutschen Frauenbewegung AddF

Fotos. © W. Geiger mit Genehmigung der Abgebileten.

Einleitung durch den Vorsitzenden des VHGLL
Dr. Wolfgang Geiger

Sehr verehrte Anwesende, liebe Kolleginnen und Kollegen,
Liebe Frau Mehrwald und Frau Dr. Geyken,

wir bedanken uns für das Zustandekommen unserer diesjährigen Jahrestagung und anschließenden Mitgliederversammlung  in diesem Hause, dem Archiv der deutschen Frauenbewegung, hundert Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland, aber nicht im hundertsten Jahr seiner Ausübung, da wir davon die zwölf Jahre Unterdrückung der Demokratie durch den National- sozialismus abziehen müssen – auch Hintergrund eines der beiden Themen heute.

Eigentlich hätten wir schon längst auf die Idee kommen können, mit einer Fortbildung hier nach Kassel zu kommen, aber zur Hundertjahrfeier des Frauenwahlrechts passt es ja auch noch. Der Verband Hessischer Geschichtslehrerinnen und -lehrer ist übrigens zusammen mit Baden-Württemberg einer von zwei Landesverbänden des VGD, der schon vor Jahren seinen Namen entsprechend angepasst hat, und für die Initiative zu beidem, der Namensänderung wie der heutigen Veranstaltung, möchte ich unserer Vorstandskollegin Jana Möhrke ganz besonders danken.

Die heutige Veranstaltung passt auch gut in eine Reihe von Fortbildungen in diesem Jahr, die im Februar in Limburg, ausnahmsweise von letztem November dorthin verschoben, mit unserem Seminar zur Weimarer Republik begannen und im kommenden November, wieder am gewohnten Ort zu gewohnter Zeit in Wiesbaden-Naurod, mit dem nächsten Fortbildungsseminar zur Demokratie- entwicklung enden wird. Hier und heute nun der Mittelteil in diesem Triptychon zur Demokratiegeschichte.

„Frauen machen Geschichte“: Wir haben den Rückblick auf zwei Jahrhunderte Frauenbewegung  bewusst nicht als „Kampf um Gleichberechtigung“ oder ähnlich formuliert, sondern als politisches Engagement für Demokratie, um damit zu verdeutlichen, dass dieser Kampf nicht nur ein Kampf für die Gleichberechtigung in eigenem Interesse, sondern ein Kampf für die Vollendung der Demokratie im Interesse aller war. Von Demokratie kann man nicht sprechen, wenn sie nicht für alle gleichermaßen gilt. Wenn man sich im Rückblick ansieht, mit welchen Begründungen von Demokraten – d.h. von Männern, die sich als solche verstanden – lange Zeit das Frauenwahlrecht abgelehnt wurde, dann kann man auch heute nur noch zutiefst beschämt darüber sein, aber auch etwas stolz darüber, dass Deutschland nach einigen skandinavischen und mit den baltischen Ländern zu den ersten in Europa gehörte, die das Frauenwahlrecht einführten. Wie es dazu kam, damit werden wir uns heute eingehender beschäftigen.

Mehr möchte ich unserer heutigen Veranstaltung auch gar nicht voranstellen.


1.  Vorstellung des Archivs der deutschen Frauenbewegung durch Silke Mehrwald

Silke Mehrwald stellte zu Beginn das Archiv der deutschen Frauenbewegung und seine Geschichte vor. Es wurde 1983 als Verein auf Initiative von Sabine Hering (damals tätig an der Gesamthochschule Kassel, später Professorin an der Universität Siegen) gegründet mit dem Ziel: ein Archiv, eine Spezialbibliothek, ein Forschungsinstitut und Bildungszentrum zur Geschichte von Frauen und Frauenbewegungen in Deutschland im 19. und 20 Jahrhundert aufzubauen. 2003 wurde die Stiftung Archiv der deutschen Frauenbewegung (AddF) gegründet, die 2005 die Trägerschaft der Einrichtung übernahm.

Gefördert wird das AddF zum einen als außeruniversitäre Forschungseinrichtung vom hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst. Zum anderen beteiligen sich die Stadt Kassel und auch der Förderverein „Freundinnen des Archivs der deutschen Frauenbewegung“ an der Finanzierung. Daneben generiert das AddF Eigenmittel und führt Drittmittelprojekte durch.

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Archiv mit Platznot - Silke Mehrwald führt durch die Sammlung

Der Schwerpunkt der Sammlungen liegt auf Quellen der deutschen Frauenbewegungen im 19. und 20. Jh., zur neuen Frauenbewegung seit den 70er Jahren allerdings vorrangig mit lokalem Bezug zu Kassel, denn es gibt zahlreiche weitere Frauenarchiv und -bibliotheken in Deutschland, die ihren Schwerpunkt auf der Geschichte der neuen Frauenbewegung haben. Diese sind im Dachverband i.d.a.- informieren, dokumentieren, archivieren (www.ida-dachverband.de) zusammengeschlossen, dem auch das AddF angehört.

In Kassel finden sich somit umfangreiche Dokumente u. a. zu Louise Otto-Peters, dem 1865 von ihr zusammen mit Auguste Schmidt in Leipzig gegründeten Allgemeinen Deutschen Frauenverein oder dem Bund der deutschen Frauenvereine (1894 von Auguste Schmidt in Berlin gegründet); gesammelt wird gleichermaßen zur bürgerlichen, proletarischen wie auch konfessionellen Frauenbewegung, so ist auch das komplette Archiv des Evangelischen Frauenbundes, 1899 in Kassel gegründet, Teil des Bestandes. Das AddF ist – neben dem Helene-Lange-Archiv in Berlin oder dem Archiv des Katholischen deutschen Frauenbundes in Köln – die zentrale Einrichtung für die Quellen der sog. ersten deutschen Frauenbewegungen.

Auch die Zeit des Nationalsozialismus ist in den Sammlungen des AddF berücksichtigt und ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Zeit nach 1945. U. a. der Nachlass von Elisabeth Selbert befindet sich in Kassel, ebenso der Aktenbestand des Deutschen Frauenrats oder des Deutschen Staatsbürgerinnenverbandes seit 1945 (Westdeutschland/Bundesrepublik). Dokumente zur Frauengeschichte in der der DDR gibt es nur wenige, diese befinden sich z. B. im Archiv GrauZone in der Robert-Havemann-Gesellschaft in Berlin oder im Frauenstadtarchiv Dresden. Die Sammlungen des AddF bestehen neben den Aktenbeständen von Frauenorganisationen und privaten Nachlässen aus Büchern, Broschüren, Flugschriften und Periodika (dem „Internet“ der damaligen Zeit).

Die Bestände können zum einen im Online-Katalog über die Website des AddF (www.adff-kassel.de) oder im gemeinsamen META-Katalog des i.d.a.-Dachverbandes - www.meta-katalog.eu - recherchiert werden. Ein Problem dabei ist die noch nicht ganz vollzogene Vereinheitlichung der in den i.d.a. Einrichtungen verwendeten Schlagworte (z. B. Frauenwahlrecht / Frauenstimmrecht). Im META-Katalog  finden sich auch die bereits digitalisierten Bestände des AddF und nächstes Jahr soll hier auch die Möglichkeit zur Volltextrecherche gegeben sein. Darüber hinaus bietet das Digitale Deutsche Frauenarchiv (www.digitales-deutsches-frauenarchiv.de), ein von i.d.a. betriebenes und im Aufbau befindliches Portal, gezielten Zugang zu Themen der Frauenbewegung und zu den Digitalisaten. Frau Mehrwald merkte dazu an, dass mit der Digitalisierung auch Gefahren verbunden sind. So ist die Zahl der in den Archiven gesammelten Dokumente viel größer als das Angebot einer Auswahl digitalisierter Dokumente im Netz, diese könnten aber aufgrund der leichten Zugänglichkeit zu sehr die Forschung dominieren.

Wie bereits eingangs erwähnt ist das AddF auch ein Forschungsinstitut und eine Bildungseinrichtung. Es gibt die Zeitschrift Ariadne heraus, die zukünftig als Jahrbuch und dafür umfangreicher erscheinen wird, sowie eine eigene Schriftenreihe zur lokalen, regionalen Frauengeschichte.


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2. Dr. Frauke Geyken (Universität Göttingen):
100 Jahre Frauenwahlrecht

Frau Dr. Geyken hielt den Vortrag, der gemeinsam mit Dr. Kerstin Wolff erarbeitet wurde, die zu diesem Zeitpunkt verhindert war.

In der revolutionären Umbruchsphase beschloss der Rat der Volksbeauftragten das allgemeine proportionale Wahlrecht zur Wahl der Nationalversammlung, also erstmalig unter Einschluss der Frauen. Dies war das Ergebnis eines langen Kampfes um das Frauenwahlrecht und nicht das Ergebnis des 1. Weltkriegs..

Von der Sozialdemokratin Lily Braun stammt der Satz „Ich lebe nicht, ich werde gelebt“ und Frau Geyken sieht hierin die Situation der Frau in der 2. Hälfte des 19. Jh.s sehr treffend auf den Punkt gebracht. Sie erläuterte ihre These, wonach die Frauen nach 1848 und speziell im Kaiserreich nicht weniger sondern stärker unterdrückt wurden als zuvor oder in der Geschichte überhaupt, gerade weil sich Liberale und Demokraten in einem Widerspruch mit sich selbst befanden angesichts der Proklamation der Menschenrechte und des Gleichheitsprinzips. Diesen Widerspruch brachte schon während der Französischen Revolution unter anderen Olympe de Gouges zur Sprache und wurde dafür guillotiniert. Das 19. Jh. über kämpfte die entstehende Frauenbewegung vor allem für das Wahlrecht, die britischen Suffragetten gingen in ihren Methoden des Widerstandes bis zur Gewalt gegen Sachen.

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Am 21.4.1849, nach dem Scheitern der Paulskirche, brachte Louise Otto die erste Ausgabe der Frauen-Zeitung heraus. In der darauffolgenden Restaurationsphase wurde Frauen die Teilnahme an politischen Veranstaltungen verboten und dann ebenso die Zeitung nach und nach in verschiedenen Ländern bis 1852.

Mit der Gründung des Allgemeinen Deutschen Frauenvereins (ADF) 1865 durch Louise Otto Peters und Auguste Schmidt trat die deutsche Frauenbewegung in ihre entscheidende organisatorische Phase ein. 1894 erfolgte der Zusammenschluss einzelner Vereine im Bund deutscher Frauenvereine. Außer den beiden genannten Vorkämpferinnen machten sich andere Frauen einen Namen, so z.B. Hedwig Dohm und Helene Lange.

Die Mitgliederzahl des Bundes wuchs von 70.000 im Jahre 1900 auf 500.000 bereits 1913, obwohl oder gerade weil das Verbot von Frauen in politischen Vereinen aufrechterhalten und durch das BGB 1900 noch bestätigt wurde.

Die Zielsetzungen der Frauenbewegung erstreckten sich auf verschiedene Bereiche: Bildung, Erwerbsarbeit, Sexualität, rechtliche Gleichstellung, politische Partizipation.

Die ersten Erfolge im Bildungsbereich wurden erzielt durch das erste Mädchengymnasium 1893 in Karlsruhe und das Abitur für Frauen 1896 in Preußen, die Universitäten wurden in Preußen erst 1908 für Frauen geöffnet.

Kurioserweise war dies an der Universität Zürich schon 1867 vollzogen worden, wo Anita Augspurg 1897 (?) zur Dr. Jur. promoviert wurde. 1902 konnte Anita Augspurg in Hamburg den Deutschen Verein für Frauenstimmrecht gründen, der keinem Vereinsverbot unterlag.

Minna Cauer repräsentierte den radikalen Flügel der Frauenbewegung und forderte Zutritt zu politischen Vereinen, in denen bislang nur Männer aktiv waren. Clara Zetkin repräsentierte die sozialistische Frauenbewegung, d.h. in der SPD, und sah im Kampf für den Sozialismus die zentrale Aufgabe, das Frauenthema nur als einen Nebenwiderspruch der bestehenden kapitalistischen Gesellschaft. Eine weitere Frauenrechtlerin in der SPD war Luise Zietz.

Die SPD hatte schon in ihrem Erfurter Programm 1891 das Frauenstimmrecht gefordert. Der Parteivorsitzende August Bebel setzte sich persönlich sehr dafür ein (vgl. sein Buch Die Frau und der Sozialismus, 1879).

Innerhalb der bürgerlich-demokratischen Frauenbewegung machte sich Gertrud Bäumer einen Namen, die in der Weimarer Republik der DDP angehörte.

Einen neuen Höhepunkt der internationalen Frauenbewegung markierte der Internationale Frauentag in Kopenhagen am 8.3.1910.

Gegen die Frauenemanzipation gab es Widerstand von Männerseite, so durch den Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation, den Friedrich Sigismund anführte und wortgewaltig und öffentlichkeitswirksam u.a. gegen das Frauenwahlrecht agitierte. Dem Bund gehörten jedoch auch Frauen an, die die Ziele der Frauenemanzipation ablehnten.

Der 1. Weltkrieg stellte die Frauenbewegung vor eine Zerreißprobe durch den Kampf zwischen Pazifistinnen und dem „Nationalen Frauendienst“, in dem gleichwohl Frauen aus allen Richtungen der Frauenbewegung zusammenkamen und der die Forderung nach Gleichberechtigung aufrechterhielt.

Zur Wahl zur Nationalversammlung 1919 warben alle Parteien um die Stimmen der Frauen. Bei 93% Wahlbeteiligung stellten die Frauen weniger als 10% der Abgeordneten und blieben in ihren Parteien weitgehend thematisch ghettoisiert. Die NSDAP forderte dagegen schon 1921 den Ausschluss der Frauen aus allen Ämtern.

Später waren im Parlamentarischen Rat bei der Ausarbeitung des Grundgesetzes 61 Männer und 4 Frauen vertreten, unter ihnen Elisabeth Selbert (SPD), die nach zähem Kampf und Unterstützung von außen den Passus „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ ins Grundgesetz bringen konnte (hervorragend mit Iris Berben verfilmt).

In der in der Bundesrepublik zog sich die konkrete Umsetzung dieses Rechtes noch lange hin, 1976 gab es erst die Berufsfreiheit für Frauen (ohne Zustimmung des Ehemannes). Die gesellschaftliche Realität war allerdings der rechtlichen Lage in vielen Punkten voraus, das ergab auch die Diskussion nach dem Vortrag.

Die Lohnungleichheit bleibt noch ein Thema (- 22% durchschnittl. Stundenlohn), die Zahl der weiblichen Bundestagsabgeordneten ist im aktuellen Bundestag mit 30,6% sogar wieder rückläufig. In Frankreich galt bei der letzten Wahl schon das Parité-Gesetz.

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3. Dr. Frauke Geyken: Widerstand von Frauen im Nationalsozialismus

Für ihren Vortrag hat Frau Geyken sieben Frauen aus dem Kontext des Widerstands ausgewählt, die ganz unterschiedliche Biographien haben, aber fast alle zu Unrecht im Schatten ihrer Männer standen bzw. stehen. Sophie Scholl bildet die Ausnahme.

Frau Geyken wies auf den Film von Irmgard von zur Mühlen Die Frauen des 20. Juli (1985) hin, der zuerst in der DDR gezeigt wurde und dann in der Bundesrepublik die Goldene Kamera erhielt (1986), außerdem auf das Buch von Dorothee von Meding: Mit dem Mut des Herzens: Die Frauen des 20. Juli (1992).

Der Widerstand hatte es in der Bundesrepublik generell schwer, die gebührende historische Anerkennung zu bekommen, in Allensbach-Umfragen wurden die Widerständler noch in den 1970er Jahren mehrheitlich als Verräter charakterisiert. In den 1980er Jahren entstand dann ein vermehrtes Interesse um den 20. Juli, das aus “bundesdeutschen Befindlichkeiten” herleitbar sei, seit 2014 aber wieder etwas zurückgeht.

Alle in den Blick genommenen Frauen hatten einen bürgerlichen Hintergrund, aber unterschiedliche politische Orientierungen. 

Der Titel des Buches von Frau Geyken Wir standen nicht abseits bringt die Lage dieser Frauen zum Ausdruck, die im Kontext des direkten Widerstandes mit Attentatsversuchen auf Hitler (ca. 40 waren geplant) zwangsläufig nicht in der vordersten Reihe stehen konnten aufgrund ihrer gesellschaftlichen Rolle und Marginalisierung als Frauen, aber aktiven Beitrag zur Unterstützung der Widerstandstätigkeit ihrer Männer geleistet haben und oft auch an Entscheidungen beteiligt waren oder auch im Rettungswiderstand (Verstecken von Verfolgten) aktiv waren. Sie wurden auch ausgewählt, weil gerade diese bürgerlichen Frauen nur als Ehefrauen wahrgenommen wurden und werden, oft genug wird nicht einmal ihr Name genannt, sondern nur ihr Status (Ehefrau von...).

Frau Geyken verwies dann auf folgende Frauen aus dem Widerstand:

Annedore Leber; Rosemarie Reichwein; Antje Hasenclever; Sophie Scholl; Cato Bontjes van Beek; Inge Aicher-Scholl; Marie-Louise von Scheliha; Freya von Moltke; Clarita von Trott zu Solz; Marion Yorck von Wartenburg.

Annedore Leber war die Frau des 1933 verhafteten, 1937 wieder entlassenen Julius Leber, SPD-Reichstagsabgeordneter, als Beteiligter des 20. Juli am 5.1.1945 in Plötzensee hingerichtet. 1946 gab sie die Broschüre Den toten Freunden zum Gedenken heraus und gründete die Zeitschrift Mosaik, die sich auch als Frauenzeitschrift verstand.

Sophie Scholl (Biographie von Barbara Beuys, 2010 )wurde dagegen zur Ikone des Widerstands schon in den 50er Jahren als Typ des reinen, unschuldigen und „unpolitischen“ Mädchens und dann in die Walhalla bei Regensburg (zum 60. Todestag 2003) aufgenommen (nicht Hans Scholl), alle anderen der Weißen Rose sind im Kollektiv abgehandelt fast anonym geblieben. Frau Geyken erwähnte daraus Traute Lafrenz, die eine wichtige Rolle in der Weißen Rose gespielt hat.

Cato Bontjes van Beek war eine Studienfreundin von Helmut Schmidt und kam in Berlin Kontakt mit der „Roten Kapelle“, die politisch ein bunter Haufen war (ca. 150 Leute) und keineswegs nur aus Kommunisten bestand, aber in der DDR wurden sie als Helden gefeiert und entsprechend in der Bundesrepublik nicht. Sie verteilten Flugblätter und malten Parolen an Häuserwände.

Antje Hasenclever stammte aus einer Bielefelder Kaufmansfamilie und gehörte der Widerstandsgruppe „Neu beginnen“ an, die Infos über den NS für das Ausland zusammenstellte und sich schon 1932 auf die Illegalität vorbereitet hatte. 1938 wurde die Gruppe zerschlagen. Robert Havemann, ihr Mann, gehörte auch „Neu beginnen“ an und gründete mit Georg Grosscurth 1943 die Untergrundgruppe „Europäische Union“, der 2005 die Yad-Vashem-Medaille zuerkannt wurde. Antje Hasenclever hatte sich weiter im Rettungswiderstand betätigt und entging nur knapp der Verhaftung, als Havemann Ende 1943 festgenommen wurde.

Marie Louise von Scheliha war keine Widerstandskämpferin; ihr gilt das Interesse, weil sie in der Bundesrepublik um eine Entschädigung und damit Anerkennung ihres Mannes Rudolf von Scheliha als Widerständler kämpfte, der als Diplomat im Auswärtigen Amt Nachrichten über die NS-Verbrechen ins Ausland brachte, Verfolgte mit Pässen versorgte und nach einem „ordentlichen Prozess“ 1942 in Plötzensee hingerichtet worden war.

Inge Aicher-Scholl war die Schwester von Hans und Sophie Scholl und engagierte sich nach dem Krieg für deren Anerkennung, 1947 verfasste sie das Manuskript über die Die weiße Rose, das 1952 als Buch erschien. Sie gründete die Volkshochschule Ulm 1946 und war später Mitbegründerin der Hochschule für Gestaltung in Ulm.

Das Andenken an Sophie Scholl wurde dann recht schnell in den Gründungsmythos der Bundesrepublik inkorporiert (siehe oben). Derzeit gibt es rund 200 Schulen mit dem Namen der Geschwister Scholl.

Frau Geyken wies dann noch auf die Erweiterung des Widerstandsbegriffes durch Detlev Peukert hin: Volksgenossen und Gemeinschaftsfremde. Anpassung, Ausmerze und Aufbegehren unter dem Nationalsozialismus, Köln 1982.

 

Anmerkung zu den Links:
Zu allem finden sich Infos auf der Website des AddF.  Nachfolgend aufgeführte Links sind nur als zusätzliche Hinweise gedacht.

>Archiv der deutschen Frauenbewegung Add

Lily Braun:
>Wikipedia / >Fembio

Olympe de Gouges:
>Wiklipedia

>olympe-de-gouges.info

Cf. Emma Adler: Die berühmten Frauen der französischen revolution 1789-1995, Wien 1906 Digital auf >Wikisource

Frau Geyken beim Vortrag

Louise Otto:
>Wikipedia

>BpB: Sandra Berndt: Louise Otto- Peters (1819-1895). Ein Kurzporträt

Auguste Schmidt:
>Wikipedia / >Fembio

Hedwig Dohm:
>Wikipedia / >Fembio

>hedwigdohm.de

Helene Lange:
>Wikipedia / >BpB: Kerstin Wolff: Helene Lange. Eine Lehrerin der bürgerlichen Frauenbewegung

 

 

 

> Frauenstudium in Zürich

Anita Augspurg:
>Wikipedia / >FMT / >BpB: Elke Schüller: Anita Augspurg

Clara Zetkin:
>Wikipedia / >Fembio

Luise Zietz:
>Wikipedia / >SPD

August Bebel:
>Wikipedia

Gertrud Bäumer:
>Wikipedia / >Fembio

 

Zum Phänomen des Antifeminismus:

Ute Planert: Antifeminismus im Kaiserreich. Diskurs, soziale Formation und politische Mentalität. Göttingen (V&R), 1998.

Tobias Kaiser: Stimmen gegen das Wahlrecht - der “Deutsche Bund zur Bekämpfung der Frauenemanzipation” und andere GegnerInnen, in: Dossier Frauenwahlrecht, >BpB, 12.11.2018

 

Sitzplan der Nationalversammlung 1919 und die weiblichen Abgeordneten. Leihgabe des Historischen Museums Frankfurt von der Ausstellung Damen-Wahl an das Addf

Frauke Geyken: Wir standen nicht abseits. Frauen im Widerstand gegen Hitler. München (Beck) 2014. Auch als Lizenzausg. bei der BpB 2014.

Annedore Leber:
>Wikipedia / >Fembio

Sophie Scholl:
>Wikipedia / >BpB: Sophie Scholl und die !Weiße Rose”

Traute Lafrenz:
>Wikipedia / >taz: Frederik Schindler: Traute Lafrenz wird endlich geehrt, 5.5.2019

Cato Bontjes van Beek:
>Wikipedia / >Fembio

Antje Hasenclever: >Fembio
Robert Havemann: >Wikipedia

“Rote Kapelle”:>BpB

“Neu beginnen”:
>Wikipedia
>Widerstandsausstellung

Marie Louise von Scheliha / Rudolf von Scheliha: >Wikipedia

Inge Aicher-Scholl:
>Wikipedia / >Fembio

 

 

 

 

 

Vgl. hierzu bei >Zukunft braucht Erinnerung

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