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Bericht 2019/20

Verband Hessischer Geschichtslehrerinnen und -lehrer VHGLL
Geschichte für heute lehren und lernen!

Mitgliederversammlung 15.2.2020 in Marburg

Auszug aus dem Bericht des Vorsitzenden über das vergangene Geschäftsjahr:

Das letzte Kalenderjahr hat die Häufung von drei Veranstaltungen mit sich gebracht, bedingt durch die Verschiebung des jährlichen Seminars in Naurod vom November 2018 auf Limburg im Februar 2019. Alle drei Veranstaltungen, das Februarseminar in Limburg, die Jahrestagung in Kassel im Mai und das Seminar in Naurod zum gewohnten Zeitpunkt im November, stellten ein thematisches Triptychon zur Geschichte der Demokratie dar, das wahrlich nicht ohne Aktualtätsbezug war. Selten wurde deutlicher, was Geschichte für heute, der so treffende Titel unserer Verbandszeitschrift, wirklich bedeutet.

Explizites Thema des Seminars vom Februar in Limburg war die Weimarer Republik und diese war auch präsent auf unserer Jahrestagung in Kassel anlässlich des 100. Jahrestages der Einführung des Frauenwahlrechts und damit verbunden einer entscheidenden Etappe der Frauenemanzipation und eines Sieges der Frauenbewegung, die dies in einem langen Kampf auch in den Köpfen der Demokraten, gemeint sind die Männer, durchgesetzt hatte, und namentlich bei den Sozialdemokraten. Die Demokratiegeschichte in einem weiter gezogenen Horizont auf dem Novemberseminar in Naurod ermöglichte dann einen Blick über die übliche Institutionengeschichte hinaus - 1848, 1918/19 - und gleichzeitig einen anderen Blick auf diese Institutionen, nämlich mit Fragen zum Selbstverständnis und „Funktionieren“ von Demokratie in Institutionen mit gewählten Volksvertretern. Wer oder was ist das Volk?, der Titel einer der Beiträge vom Seminar, auf die Weimarer Republik bezogen, scheint heute wieder so aktuell wie seit langem nicht mehr.

Mit der Thematik der heutigen Veranstaltung (“Die Kunst des Friedens”) haben wir wieder, wenn man so will, „klassischere“ Themen behandelt und doch wurde auch hier klar, wie der Geschichte, und liege sie noch so lange zurück, auch eine ungeahnte Aktualität innewohnen kann. Was uns eigentlich als Geschichtslehrer/innen freuen müsste, die Vergangenheit ist so aktuell wie nie, erschreckend freilich auch, weil damit noch nicht automatisch verbunden ist, dass aus der Geschichte gelernt wird, eher scheint Gegenteiliges der Fall, anderswo und hierzulande. Geschichte ist jedoch nicht nur deswegen aktuell, weil man aus ihr lernen könnte, sondern weil es gerade deswegen darum auch eine sich verschärfende politische weil politisierte Auseinandersetzung um die Deutung und Bewertung unserer Vergangenheit gibt. Es gibt einen Kampf um die Deutungshoheit über die Geschichte und diesen Kampf müssen wir aufnehmen. Wir sind gefragt, der Verband ist gefragt, wo nötig öffentlich Stellung dazu zu beziehen. Wir haben das als Landesverband zuletzt getan nach dem Anschlag auf die Synagoge in Halle, auch in Verbindung mit der Website des Arbeitskreises Deutsch-jüdische Geschichte, wo solche Themen vertieft werden können. Dies haben wir jüngst auch getan im Hinblick auf die immer wiederkehrenden und zum Teil immer absurderen Schuldzuweisungen in den Medien an die Schulen und den Geschichtsunterricht angesichts in Umfragen festgestellter mangelhafter Geschichtskenntnisse von Schülerinnen und Schülern.

Wir tun nichts anderes als Geschichte für heute zu lehren, damit Geschichte für heute gelernt wird, auch wenn dies nicht bei jedem einzelnen Aspekt als Etikett draufgeklebt ist.

 

 

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