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Verband Hessischer Geschichtslehrerinnen und -lehrer VHGLL

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Frontalunterricht am Bildschirm: Digitalisierung ohne Kompetenz?

Eine aktuelle Bestandsaufnahme an ausgewählten Angeboten zur Geschichte

von Wolfgang Geiger

Nicht erst seit dem Digitalisierungserwachen während des Bundestagswahlkampfs 2017 hat sich das Thema Medienerziehung, Medienkompetenz, Mediencurriculum in der Bildungslandschaft als ein Zukunftsthema etabliert. Zahlreiche Initiativen und Angebote ganz unterschiedlicher Art und Provenienz haben zum Teil schon seit vielen Jahren ihren Platz im Internet. Doch in der letzten Zeit gab es bildungspolitisch weitere Vorstöße, die 2016 zum bislang anspruchsvollsten und in seiner Vision weitreichendsten Strategiebeschluss der KMK Bildung in der digitalen Welt [1] führten.

Abgesehen von den im weitesten Sinne technischen Fragen der Nutzung der neuen Medien, der Geräte selbst und ihrer Möglichkeiten (Medienkompetenz im engeren Sinne), stellen sich weitere Fragen hinsichtlich der Verknüpfung mit der Kompetenzorientierung im allgemeinen Sinne, zur Einbindung dieser Medien in den Fachunterricht, zur dadurch notwendigen Veränderung des fachlichen Unterrichts oder gar des Unterrichtsfaches als solchem, „weil sowohl die bisher praktizierten Lehr- und Lernformen sowie die Struktur von Lernumgebungen überdacht und neu gestaltet als auch die Bildungsziele kritisch überprüft und erweitert werden müssen“ (KMK Strategiepapier, S. 8). Im Zentrum steht die Nutzung des Internets als dem universellen Medium, in das alle Wege der Medienbildung einmünden.

Medienbildung soll also nicht nur einem allgemeinen Mediencurriculum überlassen werden, das die entsprechenden grundlegenden Fähigkeiten vermittelt, sondern „integrativer Teil der Fachcurricula aller Fächer“ werden. „Jedes Fach beinhaltet spezifische Zugänge zu den Kompetenzen in der digitalen Welt durch seine Sach- und Handlungszugänge. Damit werden spezifische Fachkompetenzen erworben, aber auch grundlegende (fach-)spezifische Ausprägungen der Kompetenzen für die digitale Welt. Die Entwicklung der Kompetenzen findet auf diese Weise (analog zum Lesen und Schreiben) in vielfältigen Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten statt.“ (KMK, S. 12f.)

Aus diesem Grund geht es in der folgenden kritischen Bestandsaufnahme um fachdidaktische und –methodische, aber auch um inhaltliche sowie um grundlegende pädagogische Aspekte, auf die am Beispiel des Faches Geschichte besonders eingegangen werden soll. Ausgewählt wurden drei wichtige Portale hierzu jeweils zu zwei Themenbereichen befragt: (Leben im) Mittelalter und (Leben in der) DDR.

1. Planet Wissen

2. LMZ Baden-Wrttemberg / SESAM Mediathek

3. SEGU

4. Schlussfolgerung

 

 

1. Planet Wissen

Schon zum Traditionsbestand gehörend, weil eines der ältesten systematischen Medienangebote zur Geschichte im Internet für die Zielgruppe Schulen, ist Planet Wissen der ARD, verbunden mit Planet Schule. Die Plattform war und ist nicht explizit im Sinne der Digitalisierung von Unterricht konzipiert, sondern entstand aus dem Konzept „Schulfernsehen“ heraus und ist in diesem Sinne auch nach wie vor von aktueller Bedeutung, weil sie, wie wir sehen werden,  auch für neuere und neueste Medienangebote im Internet ein Lieferant von Videos darstellt.

Planet Wissen und Planet Schule stellen im Wesentlichen TV-Dokumentationen in einem thematisch-didaktisch arrangierten Zusammenhang als Videos online zur Verfügung. Diese Videos werden durch einen einleitenden oder begleitenden Kommentar inhaltlich zusammengefasst, der evtl. durch Bilder illustriert ist, und in den historischen Kontext eingeordnet. Planet Wissen ist stärker didaktisiert, mit kleineren Videos, Planet Schule bietet eher vollständige Sendungen aus dem Fernsehen an.

 

a) Mittelalter

Positiv sticht zunächst heraus, dass in den Einführungs- und Begleittexten an mehreren Stellen der Mythos vom „finsteren Mittelalter“ thematisiert und kritisiert wird [2]. Quantitativ und qualitativ unterliegen diese Begleittexte jedoch mehr als jedes Schulbuchkapitel dem Druck der didaktischen Reduktion, ganze Epochen wie das Mittelalter werden quantitativ in ca. 1100 Wörtern (ca. 7000 Zeichen) zusammengefasst, darunter das „Leben im Mittelalter“ im engeren Sinne auf ca. die Hälfte, mit zwangsläufigen qualitativen Verlusten. Dazu gehört auch, dass die zusätzlich zur Verfügung gestellten Bildquellen rein illustrativen Charakter haben ohne didaktisch-methodische Aufbereitung durch eine entsprechende Frage- oder Aufgabenstellung. So böte z.B. das „Bauern bildeten die Unterschicht“ betitelte Bild diverse Ansatzpunkte zur Befragung der Darstellung nach den ungewöhnlichen Erntewerkzeugen, mit denen die abgebildeten Personen dort operieren, sowie auch nach der Identifizierung dieser Personen (Mann und Frau? u.a.). Gewiss, dies würde den vorliegenden beschränkten Rahmen übersteigen, ärgerlich ist jedoch zumindest, dass es weder einen Hinweis auf die Herkunft des Bildes noch eine Einordnung in seinen Entstehungszusammenhang gibt.

Die charakterisierende Einordnung der Bauern als „Unterschicht“ zeugt zudem von einem modernen soziologischem Denken und wird der Diversität der sozialen Lage (ursprünglich Freier, Halbfreier, Unfreier) im Mittelalter nicht gerecht, auch angesichts der diesbezüglichen Veränderungen nicht, die das Mittelalter in seiner tausendjährigen Geschichte erlebt hat.

Sucht man das dazugehörende Video, muss man allerdings tatsächlich suchen, denn Planet Wissen ist bei weitem nicht so übersichtlich, wie es auf den ersten Blick aussieht – ein generelles Problem dieser Plattformen übrigens. In der beigefügten Übersicht über die thematisch mit dem Mittelalter verbundenen Videos taucht keines zum Leben auf dem Land auf. Nur über eine externe Suche findet man auf Planet Wissen einen entsprechen Link zu Planet Schule mit einem Video „Bäuerliches Lebens im Mittelalter.“[3] Wir werden den Inhalt dieses Videos weiter unten besprechen, weil die anderen Plattformen sich ebenfalls darauf beziehen – was deutlich macht, wie eng offenbar der Medienfundus zu diesem Thema ist.

 Im weiteren Umfeld des Themas Mittelalter zeigen sich auch andere inhaltliche Probleme, auf die hier kurz verwiesen werden soll. Unwissenschaftliche Darstellungen, die sich schon in Schulbüchern finden, etwa die Vorstellung, der erste Kreuzzug oder die Kreuzzüge überhaupt hätten den Wissens- und Kulturaustausch zwischen Orient und Okzident herbeigeführt, werden hier noch zugespitzt. So heißt es auf der Planet-Wissen-Seite zu den Kreuzzügen: „Doch ihre Feldzüge haben eine nicht zu unterschätzende Bedeutung für das Kulturleben Europas. Die westliche Welt kommt durch die Zurückkehrenden in Berührung mit der orientalischen Geisteswelt, exotische Gewürze und Früchte werden in Europa ebenso bekannt wie das arabische Zahlensystem, das bis heute in Gebrauch ist.“[4] In Wirklichkeit lief nicht nur der kulturelle Austausch zuvor schon via Spanien und Sizilien, auch der Gewürzhandel bis nach Indien war lange zuvor schon etabliert.[5]

Entsprechend fehlerhaft verdichtet wird in einem viereinhalbminütigen Video auch das „Leben in der Stadt“, wenn es darin heißt: „Kein Fürst durfte über die Stadtbewohner bestimmen.“[6] Es ist in dieser apodiktischen Aussage schlicht falsch und übergeht darin den historischen Prozess der Emanzipation der städtischen Bürger. Genau dieser Emanzipationsprozess wäre aber die didaktisch wichtigste dabei zu kommunizierende Information: Die Stadt war nicht frei, sie wurde frei.

 

b) DDR

Wenn auch die Themen aus jüngeren Epochen besser dargestellt werden, so bleibt das grundlegende pädagogische Problem, dass der intendierte Lernprozess durch Wissensvermittlung ganz in einer Einbahnstraße verläuft: Wahrheiten werden auktorial verkündet, durch darstellende Texte und Videos, ein eigenständiger Lernprozess des Nutzers ist überhaupt nicht vorgesehen. So zum Beispiel auch zum „Leben in der DDR“[7]. Die „diktatorische Staatsführung“ wird im Darstellungstext entsprechend erläutert, Zeitzeugeninterviews im Rückblick ergänzen die Perspektive von Justizopfern und Oppositionellen, aber kein O-Ton aus der DDR findet sich dort wieder, um wirklich greifbar zu machen, was ideologische Indoktrinierung bedeutete. Selbst die Gegenüberstellung von Nachrichtensendungen in Ost und West kommt ohne Videomaterial aus, es reicht, die „Aktuelle Kamera“ als SED-Organ zu charakterisieren.[8] Die Videos zeigen, wie schon erwähnt, Berichte über Stasi, Indoktrinierung, Oppositionelle, in nicht nur im filmischen Sinne fertigen „Einstellungen“.

Damit soll hier wie auch in den nachfolgenden Analysen nicht dagegengehalten werden, man solle „objektiv“, „neutral“ über die DDR berichten im Sinne einer multiperspektivischen Ausgewogenheit, als habe die Geschichte nicht schon ihr Urteil gesprochen. Vielmehr geht es darum, dass der Betrachter sich kaum sein eigenes Urteil in diesem Sinne bilden, sondern nur ein vorgefertigtes übernehmen kann. Die umfangreicheren Videos, die man auf Planet Schule suchen muss, wie z.B. „Achtung Klassenfeind“ aus der Thematik „Alltag in der DDR“, sind zudem nur Rückblicke auf die DDR, selbst auf 1986 erstellte Dokumentationen, die perspektivisch nur mittels einer Kommentierung aus der Zeit nach der Wende berichten. Mit anderen Worten: Es gibt auch hier praktisch keinen O-Ton aus der DDR.[9] Um ein Beispiel zu nennen: Statt die Wahlen in der DDR nur als undemokratisch zu kritisieren, wäre es viel eindrücklicher für heutige Zuschauer, einmal eine originale, offizielle Szene mit der Verkündung des Resultats von 99,98% zu zeigen.

 

Fazit: Auch wenn diese ARD-Plattform ihre historischen Meriten hat und trotz aller Kritik noch zu den empfehlenswerteren Angeboten aus dem Internet generell gehört, ist sie gewiss kein mit ausreichender fachdidaktischer Expertise und entsprechendem institutionellem Hintergrund erstelltes Angebot für Schülerinnen und Schüler, die Videos selbst sind ja auch ursprünglich für ein allgemeines Fernsehpublikum produzierte Filme. Dies macht aber auch die Problematik der „Informationsbeschaffung aus dem Internet“ deutlich, wenn diese in einen kompetenzorientierten, mediengestützten Unterricht einfließen soll.

Wie steht es jedoch mit neueren Angeboten aus, die explizit mit dem Ziel des Aufbaus von Medienkompetenz erstellt wurden?

 

 

2. LMZ Baden-Württemberg / SESAM Mediathek

Modellhaft gilt hier das Portal des Landesmedienzentrums (LMZ) Baden-Württemberg mit seiner SESAM-Mediathek, deren Materialien allerdings nur dem beschränkten Nutzerkreis von baden-württembergischen Schulen zugänglich ist und eine Erweiterung des traditionellen Angebots der Medienausleihe (DVD) für die Schulen darstellt .

Im Vorfeld der curricular verankerten Einführung der Medienbildung in Baden-Württemberg schrieb Ulf Kerber: „Bundesländer wie z.B. Baden-Württemberg führen Medienbildung als Querschnittsaufgabe für alle Unterrichtsfächer ab 2015 ein. Dem Geschichtsunterricht wird dabei als ‚zentralem Fach‘ eine besondere Rolle zukommen. Diese Zuweisung ist in den Augen des Autors berechtigt, denn Medien spielen im Geschichtsunterricht schon immer eine wesentliche Rolle.“[10] Das LMZ selbst definiert seine Medienbildung im Fach Geschichte als „Reflektiertes Geschichtsbewusstsein durch umfassende Informations- und Medienkompetenz.“[11]

Das Portal hat ein umfangreiches Programm an allgemeiner und technischer Medienbildung, das nicht Gegenstand der vorliegenden Bestandsaufnahme ist. Aufgrund des beschränkten Zugangs für baden-württembergische schulbasierte Nutzer ist man als nicht autorisierter Nutzer zunächst auf die Beschreibung des jeweiligen Inhalts des thematischen Angebots angewiesen, was jedoch auch schon Aufschluss gibt. Ferner gibt es Verlinkungen zu anderen Plattformen, wodurch die durch die Nutzereinschränkung zunächst nicht zugänglichen Medien für die vorliegende Untersuchung über andere Wege ausfindig gemacht werden konnten.

 

a) Mittelalter

Greifen wir zuerst noch einmal das Leben im Mittelalter auf. Zum Schwerpunkt Mittelalter: Burg und bäuerliches Leben: Bäuerliches Leben im Mittelalter resümiert die Beschreibung des Angebots: „Im Mittelalter lebten die Menschen mit der Natur und passten sich ihr an anstatt sie zu beherrschen. In szenischen Rekonstruktionen schildert die Sendung das Leben der Bauern in der dörflichen Gemeinschaft. Sie zeigt ihre Tagesarbeit auf dem Hof und deren Organisation. […]“[12]

Die szenischen Rekonstruktionen entsprechen dem Trend zur Docu-Fiction, die vor allem für die älteren Epochen, von denen es keine Filmdokumente gibt, sehr beliebt ist, aber inzwischen auch schon Dokumentationen zum 20. Jahrhundert immer dann ergänzt, wenn das Gewünschte fehlt. Dabei bietet das Mittelalter durchaus viele Bildquellen an, wie sie auch in früheren Dokumentationen Verwendung fanden. Diese sind aber nicht immer eine leicht konsumierbare Kost für die Interpretation – und daher eigentlich eine hervorragende Chance für kompetenzorientierte Aufgaben mit Hilfe der durch die Digitalisierung eröffneten Möglichkeiten der Vergrößerung des Bildes und der Internetrecherche. Doch in den Doku-Filmen selbst werden historische Abbildungen meistens nur illustrativ eingebettet, entscheidend für das Modul ist die filmische Rekonstruktion als Pseudo-Quelle.

Wie so eine Interpretation aussieht, zeigt der zitierte einleitende Satz der Beschreibung: „Im Mittelalter lebten die Menschen mit der Natur und passten sich ihr an anstatt sie zu beherrschen.“ Hier handelt es sich ganz offensichtlich um ein von heute aus ins Mittelalter rückprojiziertes ökologisches Bewusstsein, umso mehr, als intentional kein objektiver Tatbestand beschrieben wird – man musste sich der Natur anpassen, weil man sie nicht beherrschen konnte –, sondern eine subjektive Einstellung nahegelegt wird: „…anstatt sie zu beherrschen“ suggeriert, man hätte sie beherrschen können, wollte aber im Einklang mit ihr leben – eine regelrechte Öko-Utopie. Dies verdankt sich aber nur der subjektiven Betrachtung im Rückblick und ist in dieser Form vollkommen unhistorisch. Die Natur wurde im vorindustriellen Zeitalter auch als feindlich empfunden, weil konkret auch so erfahren, und so wollte man sie natürlich „beherrschen“, die Wildnis durch die Zivilisation zurückdrängen, nur waren die Möglichkeiten dazu sehr begrenzt. Rodungen oder Jagd zum Beispiel wurden natürlich ohne Rücksicht auf die Natur und nur zum Nutze des Menschen durchgeführt, allein der demographische Faktor der geringen Siedlungsdichte sowie die Begrenztheit der technischen Möglichkeiten sorgten noch dafür, dass die Natur insgesamt keinen Schaden nahm, wie wir ihn aus der jüngeren Zeit kennen. Gleichwohl wurde aber der biotopische Raum regional und sogar in Großregionen massiv beeinflusst.[13]

Die SWR-Dokumentation Bäuerliches Leben im Mittelalter selbst, um die es hier offensichtlich geht, weil diese auch anderswo mit derselben Beschreibung angeboten wird, so bei Planet Wissen / Planet Schule [14], zeigt das bäuerliche Leben durchaus nicht so idyllisch wie in dieser Beschreibung, der historische Gehalt wirft dennoch viele Fragen auf. So wird z.B. ganz unklar von „Knechten und Mägden“ in einem der Grundherrschaft unterliegenden Bauernhof gesprochen, vor allem aber generell das Mittelalter als entwicklungsgeschichtlich statischer Zeit-Raum dargestellt, in dem es keine Veränderung gab.

Weitere Fragen werden unten beim nächsten Medienportal angesprochen, das diesen Film ebenfalls aufgenommen hat.

 

b) DDR

Zum Leben in der DDR ist das Angebot deutlich größer als bei Planet Wissen, obwohl auch hier wieder vor allem aus TV-Dokumentationen geschöpft wird: Videos rund um Interviews mit Zeitzeugen, Verfolgten und Oppositionellen, darunter auch einige Videos mit Originalmaterial oder älter als der Mauerfall. Es handelt sich dabei um das klassische Angebot der Medienzentren, die Schulen Filme zur Verfügung stellen. Das didaktische Angebot „Zeitreisen DDR“[15] übernimmt das entsprechende Angebot der Bundesstiftung Aufarbeitung (dort erhältlich als Buch mit DVDs)[16] inklusive deren umfangreicheren Dossiers in Textform, die von der Stiftung auch separat im Web bezogen werden können.[17] Die schriftliche Dokumentation zu den verschiedenen Themen ist umfangreich und genügt zweifellos fachlichen sowie klassischen didaktischen Ansprüchen, mit zahlreichen Originalquellen, sowie eben den Interviews und Rückblicken von Zeitzeugen und Betroffenen. Die Präsentation als solche läuft allerdings auch sehr auf einer auktorialen Ebene der Geschichtserzählung ab, erst werden Analyse oder Urteil dargelegt –

„Konformes Verhalten in der Schule war in der DDR ein MUSS. Abweichungen - egal ob durch westliche Kleidung, westliche Zeitschriften, Kritik an Staat und Partei, religiöse Bekenntnisse, Ablehnung bestimmter Unterrichtsinhalte oder -formen wurden streng beobachtet“

– anschließend folgen Belege dafür.[18]

Es handelt sich konzeptionell um didaktisches Material in Schulbuchqualität, ein Medienbildungsanspruch besteht aber somit nur eingeschränkt im Anschauen der Videos, ein kritischer Medienbildungsanspruch (Überprüfen, Beurteilen) ist damit nicht verbunden. Das Textmaterial kann, wie schon gesagt, auch als Printmedium bezogen und so im Unterricht eingesetzt werden.

 

Fazit: Die angesprochenen inhaltlichen Probleme (beim Thema Mittelalter) sind kein Zufall, sondern tendenziell dem Wunsch nach Präsentation einer bereits „fertig interpretierten“ Geschichte inhärent, noch verstärkt durch die Reduktion. Auch wenn Fehler nicht unausweichlich sind, so steigt ihre Wahrscheinlichkeit proportional zum Verhältnis von Reduktion und Wahrheitsanspruch: Je mehr „Wahrheit“ in weniger Zeit/Raum vermittelt werden soll, desto höher ist die Fehlerwahrscheinlichkeit. 

Das ist zum Teil dem Medium selbst geschuldet – mehr dazu in der Schlussfolgerung am Ende, aber auch dem damit verbundenen Format, das eine Welt vermittelt, die keinen Interpretationsspielraum mehr lässt. Damit sind jedoch Probleme von Medium und Inhalt eng miteinander verzahnt.

Zur Frage der fachlichen Medienkompetenz gelten die gleichen Beobachtungen wie oben zu Planet Wissen. Alle Themen sind extrem videobasiert. Es werden z.T. Videos mit gespielten Szenen angeboten, der pädagogische Prozess im  Konnex mit dem Medium besteht wesentlich im passiven Konsum: Wir „sehen fern“ und bilden uns dadurch. Daran ändert sich auch nichts, wenn ein Arbeitsblatt Aufgaben/Fragen zum Gezeigten stellt, die rein reproduktive Leistungen abfordern. Beim DDR-Thema ist dies differenzierter, wie erläutert, folgt aber gleichwohl dem klassischen pädagogischen Konzept, wonach das Medium nur im Video-Format nach TV-Vorbild eingesetzt wird. Mediennutzung ist aber noch keine Medienbildung.

 

 

3. SEGU

Die Lernplattform für offenen Geschichtsunterricht bietet nach ihrer eigenen Definition „selbstentwickelnd gesteuerten Geschichtsunterricht“ (SEGU). Die Landesbildungsserver und Medienzentren, wie das LMZ Baden-Württemberg oder der Landesbildungsserver Hessen, verlinken darauf. Dies krönt ein langjähriges Projekt der Universität Köln, das 2017 zum Abschluss kam.

 

a) Mittelalter

Die darstellende Einleitung zum Mittelalter allgemein wie auch einige Einleitungen zu bestimmten Themen daraus sind hier gewiss differenzierter, aber auch nur kurz gehalten. Sie vermitteln kein einheitliches, sondern ein sich wandelndes Mittelalter, eine Bildquelle (eine Essensszene darstellend) ist mit Nachweis und Link zum Originalfundort im Web eingestellt – letzteres meint man jedenfalls auf den ersten Blick.[19] Tatsächlich führt der Link zum „Bildcodex Tacuina sanitatis“ nur zu Wikimedia mit der Angabe: „Tacuina sanitatis (XIV century) / 14. Jahrhundert / book scan / unknown master“[20]. Mit dem Singular tacuinum und unter dem Stichwort tacuinum sanitatis findet man dann bei Wikipedia auch eine Seite zu dieser Gattung von Gesundheitsbüchern.[21] Nur aus der genauen Benennung der gesuchten Bilddatei bei Wikimedia Commons[22] findet man jedoch in der Internetrecherche das fragliche Buch italienischer Provenienz, was allerdings keine geheime Kompetenzaufgabe von SEGU sein dürfte – nach dem Motto: Der intelligente Nutzer sucht selbst –, denn man stößt dabei auf fremdsprachige, v.a. etliche italienischsprachige Webseiten (Suche nach „tacuinum sanitatis casanatense“).

Das 30minütige Video „Esskultur im Mittelalter“[23] räumt mit einigen falschen Vorstellungen vom Mittelalter auf, arbeitet mit Originalbildern und Zitaten. Die Bilder werden jedoch nicht im Einzelnen analysiert, sondern haben illustrativen Charakter, mehr oder weniger passend zum gesprochenen Text. Diese gesprochene Darstellung ist durchaus anspruchsvoll, zitiert neueste Forschungen, lädt zwangsläufig, dem Format Video geschuldet, aber auch nur zum konsumierend-reproduktiven Umgang damit ein. Ein gewisser Kompetenzanspruch erscheint dann immerhin in der Aufgabe des Vergleiches zwischen Essen im Mittelalter und heute.

Etliche SEGU-Module aus dem Kontext Mittelalter sind jedoch nur Quizaufgaben, bei denen Bilder und Stichworte oder kurze Beschreibungen einander zugeordnet werden müssen. Auf der Seite „Bedauernswert und hart: Leben auf dem Land“[24] soll aus einer Reihe von sieben Zitaten aus dem Sachsenspiegel kompetenzorientiert ein „Lexikonartikel (etwa 6 bis 8 Sätze): ‚Das Leben der Menschen auf dem Land im Mittelalter‘“ verfasst werden, mit andern Worten: Ein Satz für jedes Zitat. Die Herausforderung besteht dann offenbar darin, die Zitate nicht wörtlich abzuschreiben.

Bei solchen Aufgaben wäre es zumindest wünschenswert, die Zielgruppe würde näher definiert und es gäbe Differenzierungen, hier in Richtung höherer Kompetenzansprüche. Die Aufgabe kann nicht das ersetzen, was ein entsprechendes Lehrbuch für die Sek. I bietet. Immerhin gibt es an der Stelle einen Link für weitere Informationen zu www.zum.de, man landet dort jedoch bei der Seite von Wikipedia „Bäuerliches Leben im Mittelalter“, wo übrigens auch ohne weitere Erläuterung von „Knechten und Mägden“ die Rede ist.[25] (Vgl. auch Schlussfolgerung)

Außerdem wird auf der Seite zu dem bereits oben erwähnten Video von Planet Schule verlinkt [26], das das bäuerliche Leben in einer Mischung aus gespielten Szenen und Originalbildern mit gesprochener Darstellung durchaus präzise erklärt. Im Mittelpunkt steht die „experimentelle“ Geschichtsaufbereitung, in der mit nachgebauten Werkzeugen (z.B. dem Hakenpflug) bäuerliche Arbeiten gezeigt werden, wie sie damals stattfanden bzw. rekonstruiert werden. Leider wird hier jedoch das Mittelalter wieder auf ein uniformes Bild jenseits des historischen Wandels reduziert, zum Beispiel bei der Ernte mit der Handsichel. Dass es früh schon Abbildungen von Sensen gab, eine kleine agrartechnische Revolution, beide aber über lange Zeit koexistierten [27], wäre hier von Bedeutung, wie so manches andere auch, das in 30 Minuten durchaus untergebracht werden könnte, so zur Problematik des nicht geschriebenen Rechts (am Beispiel der grundherrlichen Abgaben), das im Video nur sehr rudimentär erklärt wird. Es galt auch nur für das germanisch oder slawisch geprägte Europa (Gewohnheitsrecht), während in der romanischen Welt das alte geschriebene Recht grundsätzlich weiter vorherrschend war (häufig gab es Mischformen von beidem). In der Französischen Revolution war dieser Unterschied zwischen Nord- und Südfrankreich in der Revolution auf dem Land ganz entscheidend. Und gerade der Sachsenspiegel und andere Codices verschriftlichten im Mittelalter ja explizit das Gewohnheitsrecht, damit es nicht mehr nur der Vagheit mündlicher Überlieferung unterlag.

 

b) DDR

„Die Partei hat immer Recht / Das politische System der DDR“: Mit dem Modul unter diesem Titel wird dem Nutzer die Diktatur in der DDR vorgeführt – wieder im auktorialen Erzählerdiskurs, der keine Fragen zulässt, sowie in einer Gegenüberstellung zweier Materialien: dem gleichnamigen Lied sowie einem Auszug aus der Verfassung von 1968, wo es um die „Entfaltung einer breiten und wirksamen sozialistischen Demokratie“ geht, die „undenkbar ist ohne die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei“ usw.

Als Aufgaben dazu gibt es:

„a) Erläutere, ob und wie die Rolle der SED - wie sie im Lied und in der Verfassung zum Ausdruck kommt - demokratischen Ansprüchen gerecht wird oder nicht.

b) In der heutigen Bewertung wird die DDR meist als Diktatur eingestuft. […] Schau dir die Definition des Begriffs Diktatur [auf Wikipedia] an und beurteile, ob diese Definition auf das politische System der DDR zutrifft.“[28]

Der Verweis auf Wikipedia offenbart ein weiteres Problem. Wikipedia hat inzwischen bei vielen Einträgen wissenschaftliche Qualität erreicht und der Eintrag zur Diktatur[29] umfasst auf eine DIN-A-4-Seite umgebrochen (Schrift 12pt) 14 Seiten Text plus 75 Fußnoten und eben wissenschaftlichem Anspruch (Unterschied zwischen Diktatur und Autokratie usw.): Zwischen den Niveaus des SEGU-Moduls und der Wikipedia-Seite liegen Welten!

Dann gibt es noch eine „vertiefende Aufgabe“:

„2 | Es gibt Parallelen zwischen der DDR und dem Nationalsozialismus: Auch die NSDAP (die ‚Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei‘) war die zentrale politische Macht im sogenannten Dritten Reich. Gleichzeitig blieben die Verfassungsorgane der Weimarer Republik weiter bestehen. Beispielsweise trat der Reichstag immer wieder zusammen, hatte aber nichts mehr zu sagen.

In heutigen Diskussionen werden die Zeit des Nationalsozialismus und der DDR gelegentlich auf die dieselbe Stufe gestellt: Beide politische Systeme waren Diktaturen und stark von Ideologien geprägt. Sie versuchten die Menschen in Massenorganisationen oder Veranstaltungen wie die Parteitage an den Staat zu binden. Es gab aber auch wichtige Unterschiede, die du in der Tabelle unten aufgelistet findest.

Beurteile: Was überwiegt nach deinem Eindruck: die Gemeinsamkeiten oder die Unterschiede? Ist es aufgrund dieser Überlegung deiner Meinung nach gerechtfertigt, den Nationalsozialismus und die DDR auf dieselbe Stufe zu stellen? Ihr könnt eure Ergebnisse aus Aufgabe 2 auch der Klasse präsentieren und gemeinsam diskutieren.“

Die angesprochene Tabelle hebt vor allem die Unterschiede zwischen der persönlichen Diktatur Hitlers und der kollektiven in der DDR (SED-Parteiführung) sowie die Unterschiede hinsichtlich der Opfer von NS-Verbrechen einerseits und der politischen Justiz der DDR andererseits hervor. Alle Interpretationen werden aber auch hier dem Nutzer vorgegeben, anstatt sie ihn selbst herausfinden zu lassen, z.B. in den Gegenüberstellungen zwischen den Diktaturen Adolf Hitlers und der SED als Partei, wenn Hitler als “charismatische Führungspersönlichkeit” dargestellt wird gegenüber Walter Ulbricht und Erich Honecker “als eher blasse Politiker” und aus den unterschiedlichen Dimensionen der Überwachung durch Gestapo und Stasi Rückschlüsse auf die Zustimmungsrate zum Regime in der Bevölkerung gezogen werden.

Abgesehen davon, dass hierzu einleitend hinsichtlich des Nationalsozialismus schon eine katastrophal falsche Darstellung des „Fortbestehens der Verfassungsorgane der Weimarer Republik“ behauptet wird (siehe oben), wofür die Seite alleine schon bei der Prüfung durchfällt, fordert die pseudo-kompetenzorientierte Aufgabenstellung für Aufgabe 1a/b eine Bewertung aus vorgefertigten Beurteilungen heraus bei einem Minimum an diesbezüglichen Quellen, auf denen eine solche Entscheidung des Lernenden selbst basieren müsste, ganz abgesehen davon, dass eine entsprechende Rezeption der besagten Wikipedia-Seite unrealistisch erscheint und die Konzeption dieses Moduls daher inkohärent. Davon aber auch grundsätzlich methodisch: Anstatt hier deduktiv aus wissenschaftlichen Diskussionen heraus (Wikipedia) den Diktaturcharakter des SED-Regimes zu bewerten, wäre es weit sinnvoller, dies induktiv anhand einer vernünftigen Quellenlage zur Aufgabe zu machen.

Die Aufgabe 2 bietet immerhin einen Ansatz zur Urteilsbildung im Vergleich, aber keine dafür eigentlich notwendige selbstständige Analyse bzw. Interpretation der jeweils für NS und DDR zugrunde gelegten Basisinformationen.

 

Fazit: Was ist hier „selbstentwickelnd gesteuerter Geschichtsunterricht“? SEGU wirbt dafür mit: „Geschichte selber denken! Geschichte ist dann spannend, wenn du eigene Fragen an die Vergangenheit stellst oder selbst erforscht, wie die Menschen früher gelebt haben.“[30] Abgesehen von den angesprochenen inhaltlichen Problemen entspricht das Anklicken von fertig konzipierten Auswahlangeboten keinesfalls den ausgewiesenen Ansprüchen.

 

 

Schlussfolgerung

Die Auswahl der Themen „Mittelalter“ und „DDR“ erfolgte zufällig. Die notwendige Reduzierung darauf stellt nicht in Abrede, dass die ausgewählten Portale bessere Angebote zu anderen Themen haben können. Trotzdem offenbart diese Bestandsaufnahme gravierende Probleme der Medienbildung. Zu dem bisher Untersuchten kann man nämlich fragen: Welche Medienkompetenz wird hier gebildet? Welcher „selbstgesteuerte Lernprozess“? Welches „reflektierte Geschichtsbewusstsein?“

Als minimale Anforderung an Bildungsmedien gibt die KMK folgendes vor: „Zentrale Qualitätskriterien für Bildungsmedien sind, dass sie inhaltlich korrekt und lehrplankonform sind sowie kompetenzorientiertes Unterrichten und individuelle Lernprozesse unterstützen.“ (KMK, S, 31).

Keines der für die vorliegende Bestandsaufnahme untersuchten Seiten der Portale erfüllt für den hierfür ausgewählten Teilbereich diese Kriterien, wenn dies „selbstgesteuert“ alleine mit dem vorliegenden Angebot geschehen soll. Es dominiert weitgehend eine mediale Form des Frontalunterrichts, zum Teil so enggeführt, dass das nur als das exakte Gegenteil von „selbstgesteuert“ betrachtet werden kann. Am wenigsten kann man dies noch Planet Wissen vorwerfen, umso mehr aber den anderen beiden Portalen, als sie Vorbildfunktion in der neuen Medienbildung für sich beanspruchen.

Mediennutzung ist noch keine Medienbildung und Medienkompetenz erschöpft sich nicht im Anklicken von Möglichkeiten innerhalb eines vorgegebenen und dadurch begrenzten Rahmens. Das entscheidende Defizit liegt im Recherchebereich. Zur Medienkompetenz im umfassenderen Sinne gehört wesentlich die Recherchekompetenz (meine Begriffsbildung), die sich nicht auf einen vorgegebene Pool von Dokumenten beschränkt. Recherchieren ist nicht nur eine digitalisierte Form dessen, was im analogen Bereich der Printmedien Nachschlagen heißt. So formuliert die KMK unter dem Kompetenzbereich 1 folgende Kompetenzen:

 

„1. Suchen, Verarbeiten und Aufbewahren

1.1. Suchen und Filtern

1.1.1. Arbeits- und Suchinteressen klären und festlegen

1.1.2. Suchstrategien nutzen und weiterentwickeln

1.1.3. In verschiedenen digitalen Umgebungen suchen

1.1.4. Relevante Quellen identifizieren und zusammenführen

1.2. Auswerten und Bewerten

1.2.1. Informationen und Daten analysieren, interpretieren und kritisch bewerten

1.2.2. Informationsquellen analysieren und kritisch bewerten

[…]“ (KMK Strategiepapier 2016, S. 15)

 

Hierin liegt das Hauptproblem von Medienbildung im Sinne des KMK-Strategiepapiers. Es geht um den souveränen Umgang mit den Informationsangeboten im World Wide Web, von der intelligenten Suche bis zur kritischen Bewertung des Gefundenen. Dies ist die große Herausforderung, die aus der praktischen Erfahrung heraus fast als nicht bewältigbar erscheint, aber genau deswegen in den Fokus rücken muss.

Die in der vorliegenden Untersuchung konstatierten Probleme sind zum Teil grundsätzlicher Art und betreffen auch klassische Print-Lehrbücher. Eine „offene“ Konzeption kann schwerlich in einem festen Rahmen realisiert werden, das Lehr-Medium dürfte generell keine detaillierten Interpretationen mitliefern (es sei denn auf speziellen Lösungs-Seiten), sondern allenfalls Orientierungen und Hilfestellungen. Dies zeigt sich schon bei der einfachen Bildinterpretation: Ausführliche Bildlegenden verunmöglichen jede eigene Analyse und erlauben allenfalls eine eigene Urteilsbildung, wenn die Interpretation nicht auch schon mitgeliefert wird. Schon aus diesem Grund hat man bisher am besten das Lehrbuch erst einmal zugeklappt gelassen und hat die gescannten Bildern ohne Legende im Unterricht präsentiert. Außerhalb der konkreten Unterrichtssituation, wo man mit spontanen Reaktionen der SuS, hinführenden Fragen usw. arbeiten kann, erfordert dies eine entsprechende kompetenzorientierte Einbettung des Bildes in ein Aufgabenformat, das wirklich auf die selbstständige Lösung hinführt – von der Beschreibung bis zur Interpretation.

Ein spezifisches Problem des digitalen Mediums bzw. der Arbeit am Bildschirm liegt auch darin, dass längere Texte am Bildschirm generell nicht „gehen“ und sich die digitalen Medien auf kurze Textformate eingestellt haben. Der Überfülle an Informationsquellen im Internet steht paradoxerweise die Knappheit jeder einzelnen Quelle gegenüber, jedenfalls in den meisten der speziell hierfür geschaffenen Websites – Wikipedia entwickelt sich dagegen, wie erwähnt, sogar in die entgegengesetzte Richtung, so dass viele Seiten wiederum kaum mehr „schülertauglich“ sind. Die Problematik der Reduktion, der Zusammenhang zwischen quantitativer und qualitativer Reduktion, wurde oben an etlichen Beispielen verdeutlicht. Auch zeigt die praktische Erfahrung, dass sich Schülerinnen und Schüler nicht an längere Recherchen gewöhnen können/wollen, doch genau dazu müssten sie angeleitet werden, wenn der Auftrag zur Vorbereitung auf Studium und Arbeitswelt durch die Medienbildung ernst genommen werden soll.

Dann gibt es noch die falsche Vorstellung von „selbstgesteuertem“ Lernen durch pure Ausblendung der Lehrkraft. Man setzt den Lernenden vor das Medium, ermöglicht ihm hier zwar einen gewissen Spielraum durch Auswahlmöglichkeiten, unterwirft ihn aber gleichwohl einer Art digitalem Frontalunterricht. Eine so reduzierte Medienbildung fördert nicht nur keine Medienkompetenz in dem oben beschriebenen pädagogischen, nicht nur technischen Sinne, sondern reduziert sogar den Anspruch an Kompetenzorientierung im allgemeinen Sinne.

Eine sinnvolle Recherche aus den erwähnten Themen wäre zum Beispiel, wenn die SuS zum Thema „Knechte und Mägde“ im Mittelalter selbst recherchieren, auf die genannte Seite von Die Welt der Habsburger ( siehe oben) stoßen und diese dann auch in ihrer Qualität im Vergleich zu anderen Seiten bewerten könnten.

 

 

Wolfgang Geiger

29.4.2018

 

© W. Geiger, 2018.
Den Text gibt es auch als pdf zum Herunterladen. Download

[1] KMK Bildung in der digitalen Welt

[2] Planet Wissen: Leben im Mittelalter

[3] Planet Schule: Bäuerliches Leben im Mittelalter

[4] Planet Wissen: Kreuzzüge

[5] Es gibt hierzu reichhaltige Lite-ratur; Überblick und Analyse zum Indien-Handel cf. Wolf-gang Geiger: Indien und Europa – eine interkulturelle Beziehung seit mehr als 2000 Jahren. Themen und curricu-lare Anknüpfungspunkte. Vortrag auf dem Historikertag 2016 in Hamburg in der Sektion Indien und wir am 21.9.2016, zusammen mit der Präsentation online auf Geschichtslehrerforum

[6] Planet Wissen: Mittelalter - Leben in der Stadt

[7] Planet Wissen: Das Leben in der DDR

[8] Planet Wissen: DDR / Nachrichtensendungen in Ost und West

[9] Planet Schule: “Achtung Klassenfeind”

[10] Ulf Kerber: Medientheoretische und medienpädagogische Grundlagen einer ”Historischen Medienkompetenz“, in: Marko Demantowsky / Christoph Pallaske: Geschichte lernen im Digitalen Wandel. Tagungsband. München (de Gruyter Oldenbourg), 2014, S. 105. Open access

[11] LMZ Medienbildung

[12] LMZ Mittelalter

[13] Cf. u.a. Heinz-Dieter Heimann: „Der Wald in der städtischen Kulturentfaltung und Land- schaftswahrnehmung. Zur Problematik des kulturellen Naturverhältnisses als Teil einer Umwelt- und Gesell- schaftsgeschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit“, in: Albert Zimmer- mann / Andreas Speer (Hg.): Mensch und Natur im Mittelalter. Berlin/New York (de Gruyter), 1992, S. 866-861

[14] Planet Schule: Leben im Mittelalter

[15] LMZ: Zeitreisen DDR

[16] Bundesstifung Aufarbeitung: Leben in der Diktatur

[17] Zeitreise 1
Zeitreise 2

 

 

[18] Peter Effenberg: Zeitreise DDR. Elf Beiträge zur DDR-Geschichte. Leipzig (Pentalpha), 2009, S. 17. = Zeitreise 1, siehe oben.

 

[19] SEGU Mittelalter

[20] Wikimedia Commons [21] “Tacuina sanitatis”
[21] Wikipedia: Tacuinum sanitatis
[22] File:17-alimenti,_umido,Taccuino_Sanitatis,_Casanatense_4182..jpg

 

 

[23] SEGU Video Esskultur

[24] SEGU: Mittelalter Leben auf dem Land

[25] www.zum.de
 Eine gute Darstellung zu diesem speziellen Thema gibt es auf
Die Welt der Habsburger

[26] Planet Schule Bäuerliches Leben

 


[27] Sichel / Sense, vgl. Geschichtslehrerforum: Mittelalter - Land

[28] SEGU DDR

[29] Wikipedia: Diktatur

[30] SEGU: Geschichte

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